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Veritas

Veritas steht für Wahrheit. Und die Wahrheit ist, dass dieser Mensch der ausschlag gebenden Punkt war wieder mit dem Schreiben anzufangen.
Ich möchte ein wenig von ihm erzählen. Denn er ist ein Mensch der mich in meinem letzten Jahr, in dem ich mich sehr verändert habe begleitet hat. Auch wenn er real nie da war, so waren mir die Gespräche mit ihm immer sehr wichtig. Er ist ein Mensch, wie ich Menschen mag. Nicht nur an der Oberfläche kratzend, sondern jemand mit dem man schön in die Tiefe gehen kann. Ein Mann dem ich mich gerne öffne und dem ich gerne mein Innerstes preisgebe. Denn ich weiß es ist gut aufgehoben und wird geachtet. Ein Mann dem ich wichtig bin oder wie er es sagt, ich ihn innerlich berührt habe. Für mich ein sehr schönes Kompliment.

 

Wir liefen uns April oder Mai 2012 in einer Community zufällig über den Weg. Zugegeben es war eine Community der sexuellen Art. Ich brauche damals ein bisschen Kopfkino für mich. In der Beziehung mit meinem Freund lief es nicht gut also meldet ich mich dort an. Doch oh weh oh weh, soviele Vollpfosten. Ich merkte schnell dass das was ich eigentlich suchte dort nicht zu finden war.
Denn ich suchte keine Begegnungen der schnellen Art. Ich wollte einen der nicht nur meine sexuellen Interessen und Begierden stillte, sondern auch die meiner Seele. Verrückt ich weiß. Denn gerade in dieser Art von Community ist das die Ausnahme. Aber wer nicht wagt der nicht gewinnt und suche ja immer die Herausforderung. Egal wo ich stehe und gehe. Ich suche immer die Grenze und gehe bis an diese. Wenn ich nicht aufpasse auch darüber. 
Ich weiß nicht mehr wie es anfing, wer wen zuerst anschrieb aber ich merkte schnell, oder bildete mir ein, dass wir auf einer Linie lagen.

 

Ausgenommen der sexuellen Anziehung die ich spürte, war und ist dort eine Menge Sympathie die ich für ihn empfinde. Schon nach den ersten Mails war ich gefangen von seiner Art zu schreiben und sich auszudrücken. Er war direkt und doch einfühlsam, einfach anders als die Männer die dort rumliefen. Aber ich wollte mir nicht zuviele Hoffnungen machen, dass daraus eine längere Schreiberei werden konnte. Zu oft habe ich mir Bekanntschaften schön geredet und mehr sehen wollen als wirklich da war.
Wir ferkelten rum, aber unterhielten uns auch über Probleme. Warum wir in dieser Community gelandet waren. Was uns in unserer Beziehung fehlte oder welche Ängste da waren. Ich freute mich immer über Mails von ihm und schrieb ihm sehr gerne zurück. 

 

Irgendwann tauschten wir Handynummern aus. Erst war ich skeptisch. Einem fremden Menschen meine Nummer geben? Was wenn ich einen Psycho erwischte? Was wenn mein Freund dies mitbekäme. Aber ich redete mir ein, dass es noch gute Menschen gäbe und er so einer sei. Auch hier schrieben wir fleißig SMS oder später über Whatsapp. 
Wir philosophierten darüber wie ein Treffen wohl ablaufen würde. Was passieren könnte. Ob wir uns real genauso gut verstehen würden wie in unseren Mail oder ob wir uns eher anschweigen würden.
Irgendwann fragte er mich, ob ich bereit sei mal mit ihm zu telefonieren. Ich freute mich sehr dass er das fragte, auch wenn mein Kopf Panik verbreitete. Was wenn wir uns doch nur anschweigen würden? Was wenn mir seine Stimme nicht gefällt und alles schief läuft? Würde dann die Magie unseres Schreibens verschwinden? Oder würde es "uns" eher ein Stück näher bringen?

 

Wir telefonierten. Ich war tierisch nervös und ich denke er auch. Wieder erwarten verlief das Gespräch gut. Wir quatschten und nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl ihn schon lange zu kennen. Die Anspannung verflog und wir lachten. Auch er erzählte mir von seinen Ängsten von dem Telefonat und dass er schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. Dass er auf Grund seiner Stimme zurückgewiesen wurde. Was ich überhaupt nicht verstehen konnte. Seine Stimme klingt schön in meinen Ohren und den Dialekt (leicht schwäbisch angehaucht) liebe ich ohnehin.

 

Dann kam für mich eine Zeit in der es mir nicht gut ging. In meiner Beziehung kriselte es stark und ich erwog den Gedanken für ein paar Tage ins Kloster zu gehen. Ich recherchierte und fand ein Kloster in Süddeutschland. Etwa eine Stunde von seinem Wohnort entfernt. Ich erzählte ihm von dem Gedanken und dass wenn es wirklich klappen sollte, wir uns ja mal auf einen Kaffee treffen könnten. Auf dem Rückweg könnte ich ja einen Zwischenstop machen. Er sagte ich solle ihm auf jeden Fall Bescheid sagen wenn es wirklich klappen sollte. Leider wurde aus dem Besuch nichts. Was aber nichts mit ihm zu tun hatte, sondern einfach andere Umstände. Was ich bis heute noch sehr schade finde.

 

Sehr gerne würde ich ihn einfach mal erleben. Mit seiner realen Gestik und Mimik. Mit Ton und lachenden Augen. Ihm einmal in die Augen zu sehen und zu schauen ob auch Real dieses schöne Gefühl da ist, das ich habe wenn wir schreiben. Oder ob die Realität alles verpuffen läßt wie eine Seifenblase in der Sonne. Vielleicht finde ich es eines Tages heraus. Gestern hat er mir in diesem Zusammenhang geschrieben, dass ich sein und er mein Leben gestreift habe. Und auch wenn wir momentan keinen Kontakt haben, er oft an mich denke.
 
 
Natürlich gab es auch Zeiten in denen Funkstille herschte. So wie momentan. Für mich immer schwer zu ertragen, da ich mit Menschen die ich mag gerne in Kontakt bin. Solche Kontaktabbrüche sind für mich oftmals die reinste Folter. Da ich die Ursachen immer bei mir suche. Obwohl ich gelernt habe dass das  nicht wahr ist. Das reale Leben geht vor und wie Veritas immer sagt, und da gebe ich ihm Recht, "Zeit ist das kostbarste Gut"
Oder wie in seinem Fall ein persönlicher Schicksalsschlag. Aber aus meinen Gedanken ist er nie. Ich frage mich oft was er gerade tut in genau diesem Moment. Ob es ihm gut geht.
Trotzdem empfinde ich es immer als schlimme Zurückweisung und kann dann oftmals nur weiß oder schwarz sehen. Entweder ist alles toll oder alle scheiße. Grautöne existieren dabei oft nicht, geschweige denn Farben.

 

Ich kann es auch nicht lassen ihm hin und wieder einen Gruß über Whatsapp zu schicken. Und gestern kam eine Antwort die das Ganze hier auslöste. Zu lesen auch unter Neuanfang.

 

Lieber Veritas, ich weiß du wirst das irgendwann lesen. Vielleicht freust du dich über deine Geschichte, deine Spuren, vielleicht bist du auch entsetzt oder verärgert. Aber du hast eben Spuren in meinem Leben hinterlassen.
Immer wenn ich Covenant höre bist du präsent und dann wünsche ich mir, mit dir in einen EBM Schuppen zu gehen und mit dir zu tanzen. Oder andere beim Tanzen zu beobachten.

 

  Nur die allerliebsten Gedanken, deine Noé
18.4.13 19:22
 


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